Titel zu „Bürger online“ ist fertig

Gestern haben wir vom UVK-Verlag die endgültige Titelseite unseres in den nächsten Wochen erscheinenden Buchs bekommen. Wir Titel "Bürger online"haben unter Mithilfe zahlreicher Kolleginnen und Kollegen sowie des Verlags versucht, eine brauchbare Visualisierung für den Gegenstand zu finden, ohne auf die übliche, etwas abgegriffene Internet-Symbolik wie Tastatur und Bildschirm zurückgreifen zu müssen. Über Kommentare und Hinweise, ob uns das gelungen ist bzw. Vorschläge zur Verbesserung oder alternative Ideen (allerdings erst für die 2. Auflage …) würden wir uns freuen, entweder hier oder auch auf der neuen Website zum Buch: http://www.buerger-online.net

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„Die Einleitung schreibe ich ganz zum Schluss!“

… ist eine oft gehörte Strategie und auch ein oft gelesener Tipp in der einschlägigen Ratgeber-Literatur. Auch der anonyme Ghostwriter im kürzlichen ZEIT-online-Interview hat seine Arbeitsweise so beschrieben. Warum das sinnvoll sein kann, warum ich aber gerade Studierenden dringend davon abrate, möchte ich mal kurz darlegen:

Für die Strategie spricht, dass sich durch eine Formulierung der Einleitung am Schluss – also vor dem Hintergrund einer schon fertiggestellten Arbeit – der ganze Text gut in eine schlüssige Gesamtform bringen lässt; man kann in der Einleitung dann sehr genau das ankündigen, was am Ende auch wirklich im Text passiert. Da die Erfahrung zeigt, dass sich eine wissenschaftliche Arbeit im Zeitverlauf IMMER stark verändert und weiterentwickelt, geht das nicht so gut, wenn man die Einleitung am Anfang schreibt – und sie dann auch nie wieder anfassen würde. Allerdings ist das sowieso unrealistisch: Jede/r, der/die schon einmal eine solche Arbeit geschrieben hat, und sei es erst eine im ersten Semester, weiß natürlich, dass im Laufe der Arbeit daran viele Überarbeitungs- und Anpassungsschritte aufeinander folgen, die selbstverständlich auch immer eine Einleitung mit einbeziehen.

Selbst wenn man – in Kenntnis der Tatsache, dass die Einleitung, wenn man sie denn am Anfang schriebe, sich sowieso noch stark verändern würde – vollständig auf den Entwurf eines solchen Einleitungstextes verzichten würde, müsste man trotzdem eines auf alle Fälle erledigen: die Formulierung einer klaren Forschungsfrage, die es mit einer solchen Arbeit zu beantworten gilt. Und wer mich aus einer Lehrveranstaltung kennt, weiß, was ich mit Forschungsfrage meine: Einen Satz, der am besten mit mit einem W-Wort beginnt („Wer“, „Was“, „Wie“, „Welche …“, „Warum“, Ausnahmen natürlich möglich) und mit einem Fragezeichen endet – also eine echte Frage im Sinne der deutschen Grammatik. Sätze wie „Ich will mich mit X beschäftigen“ oder „Es soll das Phänomen Y untersucht werden“ sind KEINE ausreichenden Forschungsfragen, weil sie viel zu wenig eingrenzen und benennen, was am Ende herauskommen soll.

Und genau hier liegt das Problem im Zusammenhang mit der Frage, ob man am Anfang der Beschäftigung mit einem Thema den Aufwand einer ca. zweiseitigen Einleitung betreiben sollte. Denn wo diese Strategie für den erfahrenen Wissenschaftler oder Ghostwriter zeitsparend sein mag, führt das meiner mittlerweile langjährigen Erfahrung nach gerade bei unerfahrenen Autoren (dazu gehören Studierende während des Großteils ihres Studiums) dazu, dass damit zu oft die ausreichende Auseinandersetzung mit dem Ziel der Arbeit unterbleibt. Forschungsfragen bleiben zu oberflächlich und allgemein wie die oben beschriebenen, es wird nicht klar, wo genau das Problem liegt, warum die gewählten Theorien und das methodische Vorgehen für sinnvoll gehalten werden etc. Das sind genau die häufigen Probleme studentischer Arbeiten, die auch der zitierte anonyme Ghostwriter nennt. Und deshalb rate ich allen Autoren wissenschaftlicher Arbeiten, sich zu Beginn der Textproduktion doch zumindest an die Rohfassung einer Einleitung zu setzen, die folgende drei Elemente enthält:

1. Eine Begründung der Relevanz des (allgemeinen) Themas und AUCH der konkreten Fragestellung. Autoren sollten versuchen, potenziellen Lesern und damit auch sich selbst erst einmal klar zu machen, warum der Gegenstand eine wissenschaftliche Untersuchung rechtfertigt („es ist interessant“ ist zu subjektiv und deswegen nicht ausreichend). „Gegenstand“ heißt dabei „konkrete Forschungsfrage“; sehr oft lese ich zwei Seiten dazu, warum das Internet wichtig für unsere Gesellschaft ist, um dann übergangslos eine Forschungsfrage präsentiert zu bekommen wie „… deshalb soll hier untersucht werden, weshalb Blog-Autoren das Thema X intensiver behandeln als Thema Y“ – da besteht eine riesige Argumentationslücke zwischen „Internet ist wichtig“ und „Analyse der Themen in der Blogosphäre ist wichtig“.

2. Eine klare ForschungsFRAGE, die den oben beschriebenen Kriterien entspricht; kein allgemeines Thema „… soll die Berichterstattung über X untersucht werden“, sondern eine klare Frage, auf die am Ende eine klare Antwort gegeben werden kann, z.B. “ …welche Nachrichtenfaktoren prägen die Berichterstattung über die Themen X und Y?“

3. Die Offenlegung des geplanten Vorgehens, also auf welche theoretische Basis bezieht sich der Autor/die Autorin, soll nur theoretisch oder auch empirisch vorgegangen werden, welche Methoden sollen eingesetzt werden?

Die Grundstrategie sollte also sein: Beschäftigen Sie sich zu Beginn intensiv mit der Relevanz des Themas, mit der konkreten Zielrichtung Ihrer Fragestellung und damit, wie man die Fragestellung am sinnvollsten beantworten kann. Wenn Sie Ihre Gedanken dazu zu Papier bringen, haben Sie die Einleitung praktisch schon geschrieben. Dass das Ganze unterwegs sicher noch häufiger angepasst wird (auch Forschungsfragen können sich durchaus noch ändern) und am Ende natürlich nochmal in Form gebracht wird (z.B. durch ein aktuelles Beispiel zum Einstieg), ist selbstverständlich, sollte aber keinesfalls eine intensive Auseinandersetzung am Anfang verhindern!

Wie geht’s der deutschen Online-Forschung?

Die Pressemeldung vom 11.07. über die ersten konkreten Schritte von Googles Institut für Internet und Gesellschaft hat für einige Kritik am Zustand der deutschen akademischen Online-Forschung geführt, insbesondere von Philip Banse im DLF und auf seinem Blog. Als akademischer Online-Forscher möchte ich da ein paar Argumente hinzufügen:

1. Die PR, die Google betreibt, mag den Eindruck erwecken, bisher habe es in Deutschland keine nennenswerte Online-Forschung gegeben. Das ist so aber natürlich nicht richtig. Gerade in den letzten Jahren sind hier eine ganze Reihe international konkurrenzfähiger Projektzusammenhänge entstanden, hinter denen z.B. die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit Millionenbeträgen steht:

  • So hat die DFG im Februar 2011 eine mit 2,4 Mio € ausgestattete Forschergruppe bewilligt, die von Gerhard Vowe in Düsseldorf geleitet wird und sich mit „Politischer Kommunikation in der Online-Welt“ beschäftigt (hier der Link zur PDF-Pressemitteilung).
  • Seit Ende 2010 läuft das ebenfalls von der DFG geförderte Schwerpunktprogramm „Mediatisierte Welten“ unter der Leitung von Friedrich Krotz in Bremen, das einen ähnlichen Förderumfang hat.
  • Eine Ebene darunter als Kombination von Einzelprojekten finden sich ebenfalls zahlreiche aufwändige und hochwertige Untersuchungen, etwas die vier Projekte zu „Politischer Online-Kommunikation“ von 2000 bis 2009 an der TU Ilmenau und der HHU Düsseldorf im Umfang von ca. 400 T €, an denen ich selbst beteiligt war (und dessen Ergebnisse in ca. 4 Wochen in diesem Buch nachzulesen sein werden).

Und das sind nur a) einige ausgewählte b) medien- und kommunikationswissenschaftlichen Projekte, die c) von der DFG gefördert werden. Forschung gibt es darüber hinaus auch im Rahmen von EU-Projekten, über Projektförderungen durch private Stiftungen oder gar andere Unternehmen (die Telekom ist da z.T. auch ganz rührig). Und es wird natürlich in vielen anderen Wissenschaftsfeldern gefördert, die ebenfalls im Fokus des Google-Instituts liegen – Informatik, Ingenieurswissenschaften, Medienrecht – die aber außerhalb meines Erfahrungsbereichs liegen.

2. Ich würde die allgemeine Kritik ein wenig konkreter auf die vom Google-Institut benannten Forschungsgegenstände richten: Genannt werden auf der Homepage „Internet Innovation, Internet Regulierung, Informations- und Medienrecht sowie Fragen des Verfassungsrechts im Internet„. Diese Perspektive orientiert sich an der Oberfläche der Probleme, die gerade politisch diskutiert werden, insbesondere die technische und ökonomische Entwicklung, die rechtlichen Probleme und die sich daraus ergebenden Regulierungsanforderungen. Ähnlich sieht es auch bei der Enquete-Kommission des Bundestags „Internet und digitale Gesellschaft“ aus: Bei beiden fehlt im Wesentlichen eine sozialwissenschaftliche Perspektive, die sich mit der Frage der Aneignung und Nutzung digitaler Medien beschäftigt, mit Erklärungen, WARUM bestimmte Innovationen erfolgreich sind und andere nicht, mit der Frage, WESHALB fundamentale Rechtsprinzipien so dramatisch an Bindungskraft verlieren etc. Beide – das Google-Institut wie die Enquete-Kommission – machen damit den zweiten Schritt vor dem ersten: Ohne fundamentale Analyse und Erklärung der beobachteten Phänomene sollen sofort Regulierungs- und Geschäftsmodelle entwickelt und diskutiert werden.

Daraus lässt sich der zentrale Vorwurf an die entsprechenden Wissenschaften formulieren: Sie haben es bisher nicht geschafft, diese Fragen bis in die Zentren der Entscheidung – der politischen, wie dem Bundestag, sowie der wirtschaftlichen, wie etwa Google und ähnliche Konzerne – zu kommunizieren. Obwohl es in diesem Bereich natürlich auch mehr oder weniger organisierte Akteure gibt, die zumindest ansatzweise versuchen, Forschung und die Interessen der beteiligten Forscher zu bündeln, etwa:

Auch das ist nur eine willkürliche Auswahl aus dem Bereich der Sozialwissenschaften; über die Frage, warum es diese Akteure nicht schaffen, mit ihrer Forschung und ihren Ergebnissen mehr Aufmerksamkeit zu gewinnen, kann man sicher ausführlich diskutieren.  Es mag z.T. tatsächlich an einer fehlenden zentralen Institution liegen, die die Forschung bündelt; es liegt sicher z.T. auch daran, dass ich als Forscher angesichts stetig schrumpfender Etats an der Universität bei gleichzeitig steigenden Studentenzahlen immer weniger Zeit für klassische PR habe; ich bin schon froh, wenn ich immer wieder Gelder akquirieren kann und anschließend die geforderten Berichte und wissenschaftlichen Publikationen zusammenbekomme.

3. Die Argumente, die gegen eine Unabhängigkeit des Google-Instituts sprechen, sind natürlich nicht so einfach vom Tisch zu wischen; gerade die seit langem aus dem Journalismus bekannte, unbewusste „Schere im Kopf“ lässt sich nicht so einfach durch Verträge ausschalten. Auf der anderen Seite muss man natürlich sagen, dass es höchste Zeit ist, dass die Konzerne, die Milliarden an den Nutzern der Online-Medien verdienen, auch etwas von diesem Geld in die Forschung investieren. Hier ließe sich aber sicher  über die Organisation dieser Forschungsförderung diskutieren; Stiftungsmodelle oder Organisationen mit Mischfinanzierung sind hier erprobte Modelle, die in Googles Institut mittelfristig eingesetzt werden sollten. Am Ende wird sich die Arbeit des neuen Instituts aber auf alle Fälle an den Ergebnissen messen lassen müssen; Millionen an Anschubfinanzierung garantieren noch nicht wissenschaftlich belastbare und gesellschaftlich relevante Erkenntnisse.

Countdown für „Bürger online“ läuft

Nach noch einmal einigen Wochen intensiver Durchsicht, Lektorat und Korrektur ist es bald so weit: Das Manuskript für unser Buch mit den Ergebnissen unseres zehnjährigen Forschungprojekts zur Entwicklung der politischen Online-Kommunikation der Deutschen (http://www.politische-online-kommunikation.de) ist heute an den UVK-Verlag gegangen. In schätzungsweise drei bis vier Wochen ist das bereits länger angekündigte 350-Seiten-Werk dann erhältlich. Weitere Infos gibt es demnächst auch auf einer Website zum Buch.

Alte Männer (& Frauen), die das Internet nicht verstehen, Folge 3

Eigentlich muss man wenig zu dieser Diskussion in der Bundespressekonferenz sagen, alleine die erste Frage des dadp-Korrespondenten, in kaum verhüllter Empörung vorgetragen, sagt fast alles: „Muss ich mir jetzt in Zukunft einen Twitter-Account zulegen, um über relevante Termine der Kanzlerin informiert zu werden?“

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Publikationen zum Superwahljahr 2011 bei Nomos

So, zur Abwechslung mal etwas (Eigen-)Werbung: Der Nomos-Verlag hat die wahl- und politikbezogenen Bücher seines kommunikationswissenschaftlichen Programms auf einer Sonderseite zum Thema „Superwahljahr 2011“ zusammengestellt, darunter auch das von mir im letzten Jahr mitherausgegebene Werk „Politik 2.0“. Für alle am Thema interessierten gibt es dort vielleicht das eine oder andere Interessante zu lesen. Zum Angebot geht’s per Klick auf das Bild.

Guttenberg: Zur Grenze zwischen Fehler und vorsätzlichem Betrug

Karl-Theodor zu Guttenberg, der nach der Aufdeckung seiner weitgehend abgeschriebenen Dissertation unter den Bürgern beliebter ist als je zuvor (siehe dazu → kognitive Dissonanz), entschuldigt sich damit, unter dem Druck seiner beruflichen und familiären Belastung den Überblick verloren und dabei Fehler bei der Setzung von Fußnoten gemacht zu haben. Auch bei seinen zwei Auftritten im Bundestag am 23.02. hat er diese Verteidigungslinie offensiv aufrecht erhalten. Strategisch ist das eine vielversprechende Argumentation, die ihm viel Verständnis einbringt: Wer wüsste nicht, wie viel Stress ein erfolgreiches Berufsleben und eine junge Familie mit sich bringen kann? Da kann man schon mal was übersehen. Wer allerdings selbst schon einmal eine wissenschaftliche Arbeit geschrieben hat, weiß, dass Plagiate wie die von Herrn zu Guttenberg (an vielen Stellen im Netz dokumentiert, z.B. hier im GuttenPlag Wiki) nicht reine Schlamperei sein können; drei wesentliche Umstände sprechen hier sehr deutlich für Vorsatz, die ich hier vor allem aus hochschulpädagogischen Gründen erläutern möchte:

  1. In theoretischen Arbeiten (oder Theorieteilen von empirischen Arbeiten) wird naturgemäß vor allem mit den Werken anderer Autoren gearbeitet. Dabei ist es Aufgabe des Autors/der Autorin, mit eigenen Worten deren Aussagen in die eigene Forschungsfrage einzuordnen und dem Leser deutlich zu machen, was für die eigene Forschungsfrage aus diesen Werken zu lernen ist: Was tragen diese Quellen zum Verständnis der eigenen, selbstgewählten Forschungsfrage bei? In der Regel passiert das durch „indirekte“ Übernahmen fremder Aussagen in eigenen Worten inklusive Verweis auf die entsprechenden Quellen.
    Wörtliche Übernahmen sind deshalb eine eher seltene Ausnahme, weil die entsprechenden Aussagen ja aus einem anderen Kontext mit z.T. ganz anderen Forschungsfragen kommen; ohne eine ausführliche Einordnung in den eigenen Text sind sie bestenfalls missverständlich. Das heißt: Wörtliche Zitate können immer nur kurze Ausschnitte sein, die man deshalb auswählt, weil sie sprachlich bzw. begrifflich einen Sachverhalt besonders gut auf den Punkt bringen, und dies bei einer Darstellung in eigenen Worten verloren ginge. Eine seitenweise Übernahme fremder Texte, wie sie die Arbeit von KTzG enthält, ist aus wissenschaftlichen Gründen nicht nötig und wäre aus den dargelegten Gründen sogar eher schädlich; sie ist außerdem in keinem Fach auch nur ansatzweise üblich. Würde man – wie der Autor dies als Unterlassung darstellt – diese seitenlangen Abschnitte in Anführungszeichen setzen und mit Fußnoten versehen, würde jeder inhaltliche Zusammenhang, den der Autor eigentlich herstellen müsste, verloren gehen und die komplette Sinnlosigkeit eines solchen Patchwork-Textes wäre jedem Leser (vor allem den Gutachtern der Doktorarbeit) sofort ins Auge gesprungen.
  2. Ein zweites Indiz für die vorsätzliche Manipulation sind die leichten Änderungen, die in die unbelegt übernommenen Abschnitte eingebaut wurden: Hätte es sich tatsächlich nur um vergessene Fußnoten gehandelt, hätten die Textabschnitte selbstverständlich entweder wörtlich und unverändert übernommen werden müssen, oder zusammengefasst in vollständig eigenen Worten. Die Tatsache, dass sie aber sprachlich nur so leicht angepasst wurden, dass sie sich gut in den eigenen Inhalt einfügen ließen, belegt, dass hier sehr gezielt fremde Versatzstücke zu einem neuen Text zusammengebaut wurden. Den intellektuellen Aufwand, diese fremden Texte zu lesen, zu verstehen und dann zusammengefasst, in eigenen Worten und mit eigener Schlussfolgerung und Quellenangabe versehen, in eine eigene Argumentation zu überführen, wollte oder konnte KTzG vermutlich nicht leisten.
  3. Der dritte, in den Medien bereits diskutierte Hinweis auf die völlige wissenschaftliche Substanzlosigkeit der vorgelegten Arbeit ist die Tatsache, dass selbst viele Stellen, an denen eigentlich gerade in einer theoretischen Arbeit die Eigenleistung des Autors hervorstechen sollte, auf die oben beschriebene Weise abgeschrieben wurde: Wo, wenn nicht in den Zusammenfassungs- und Schlussfolgerungskapiteln sollte denn die Eigenleistung des Autors deutlich werden? Selbst solche Stellen zu plagiieren zeigt, dass ganz offensichtlich kaum eine eigenständige Leistung in diesem Text enhalten ist, sondern es sich um eine gezielte Simulation oder Vorspiegelung von Wissenschaft handelt; auch hier kann von einer „Schlamperei“ keine Rede sein.

Beeindruckend ist an all dem nur, dass es dem Autor offenbar sehr kunstvoll gelungen ist, diese Versatzstücke zu einem Text zu amalgamieren, der in sich (als nicht-Jurist kann ich das selbst nur schwer beurteilen) so überzeugend wirkt, dass dessen Substanzlosigkeit selbst den renommierten Gutachtern nicht aufgefallen ist. Vermutlich ist so etwas tatsächlich nicht hundertprozentig zu verhindern. Die Wahrscheinlichkeit ließe sich aber verringern, indem z.B. die Betreuung und Zusammenarbeit mit den Doktoranden intensiviert wird, etwa durch regelmäßige Kolloquien, Vorträge und auch Publikationen während des Arbeitsprozesses. Dabei würde relativ schnell deutlich, wenn eine Person durch ihre Aufgabenstellung überfordert ist. Auch eine möglichst klare Absprache von Forschungsfragen und Themen wäre hilfreich, um die Eigenleistung der Kandidaten klarer zu definieren – was zugegebenermaßen etwas leichter ist bei Themen und Fächern, die empirisch ausgerichtet sind (und was deshalb insbesondere für die Rechtswissenschaft ein Problem darstellt).